In der Artikelserie GEONAKU stellen wir fachliche und wissenschaftliche Beiträge aus den Bereichen Geologie, Natur und Kultur des grenzüberschreitenden Karawanken UNESCO Global Geopark der 5 slowenische und 9 österreichische Gemeinden (Zell/Selle, Gallizien/Galicija, Eisenkappel-Vellach/Železna Kapla-Bela, Sittersdorf/Zitara vas, Globasnitz/Globasnica, Feistritz ob Bleiburg/Bistrica nad Pliberkom, Bleiburg/Pliberk, Neuhaus/Suha, Lavamünd/Labot) vor. Wir laden alle ForscherInnen aus den Bereichen Geologie, Natur und Kultur ein, ihre Forschungsergebnisse in Form eines wissenschaftlichen oder fachlichen Beitrags zu präsentieren.

Kontakt: Dr. Darja Komar (darja.komar@geopark.si)

 

In the GEONAKU series of articles, we present expert and scientific works in the field of geology, nature and culture of the cross-border Karawanken-Karavanke UNESCO Global Geopark, which unites 5 Slovenian and 9 Austrian municipalities (Zell/Selle, Gallizien/Galicija, Eisenkappel-Vellach/Železna Kapla-Bela, Sittersdorf/Zitara vas, Globasnitz/Globasnica, Feistritz ob Bleiburg/Bistrica nad Pliberkom, Bleiburg/Pliberk, Neuhaus/Suha, Lavamünd/Labot). We invite all researchers in the fields of geology, nature and culture to present their research findings in the form of a scientific or professional paper.

Contact: Dr. Darja Komar (darja.komar@geopark.si)

GEONAKU 1: Cephalopoden der nordalpinen Raibler Schichten der Karawanken

Die nordalpinen Raibler Schichten der Nordkarawanken werden in der Literatur auch als Bleiberger Schichten oder Cardita Schichten bezeichnet. Dies vor allem deshalb, um sie von den südalpinen Raibler Schichten aus Raibl zu unterscheiden, die sowohl eine andere lithologische Ausbildung als auch einen anderen stratigraphischen Umfang aufweisen.

Die nordalpinen Raibler Schichten der Nordkarawanken bestehen aus drei Schieferhorizonten und drei jeweils darüber liegenden Karbonatfolgen. Aus dem ersten Schieferhorizont sind an mehreren Lokalitäten Ammonitenfunde gemacht worden, die eine Einstufung in das Jul (Austrotrachyceras austriacum – Zone) erlauben. Aus den Karawanken (Petzen, Hochobir) sind aus diesem Schieferhorizont bisher folgende Cephalopoden bekannt: Carnites floridus
Wulfen, Joannites cymbiformis Wulfen, Arcestes gaytani Klipstein, Arcestes sp., Megaphyllites jarbas Münster, Pleuronautilus gaudryi Mojsisovics, Enoploceras wulfeni Mojsisovics, Austrotrachyceras sp., Nautilus sp. und Pleuronautilus cf. oenanus (Mojsisovics).

Aus dem zweiten Schieferhorizont wurden erstmalig Ammonitenfunde gemacht. Sie erlauben eine Einstufung des zweiten Schiefers in die oberste Austrotrachyceras austriacum – Zone (Subzone des Neoprotrachyceras oedipus).

GEONAKU 2: Ammoniten aus dem karnischen Anteil des Wettersteinkalkes des Hochobirs (Nordkarawanken, Kärnten) / Carnian Ammonoids from the Wetterstein Limestone of Hochobir (North Karawanken, Carinthia)

Die östlichen Nordkarawanken im UNESCO Geopark Karawanken/Karavanke werden zu einem großen Teil aus Wettersteinkalk und –dolomit des Ladins und Unterkarns aufgebaut und bilden teilweise die Grenze zwischen Österreich und Slowenien. Liegend wird der Wettersteinkalk von alpinem Muschelkalk unterlagert und im Hangenden von den drei klastisch/mergeligen Horizonten (Carditaschichten, bzw. nordalpine Raibler Schichten) samt dazwischengeschalteten Karbonatabfolgen überlagert. Die größten Mächtigkeiten erreichen die Wettersteinkalke mit 1200 – 1500 m in den beiden markanten Gebirgsstöcken der Petzen und des Hochobirs. Beide Gebirgsstöcke weisen eine umfangreiche historische Bergbautätigkeit auf Blei und Zink und eine vergleichbare Faziesentwicklung des Wettersteinkalkes auf.

Der unmittelbar unter dem ersten Raibler Schiefer liegende vererzte Anteil des
Wettersteinkalkes wird als Bleiberger Fazies / Bleiberger Sonderfazies bezeichnet. Sie besteht aus einer rhythmischen Abfolge von Algenlaminiten, Kalken/Dolomiten mit synsedimentären Blei/Zink Vererzungen und einzelnen Brekzienlagen. Diese Fazies ist fast immer fossilführend.

Die im Zuge früher Bergbautätigkeit im obersten Wettersteinkalk aufgefundenen Ammoniten wurden bereits von LIPOLT (1856) aus dem Fladung Bergbau und von MOJSISOVICS (1871, 1882, 1893) aus dem „weißen Kalk von Unterpetzen“/Podpeca (Slo) erwähnt jedoch nirgends abgebildet.

Eine Neuaufsammlung im historischen Bergbaugebiet Fladung südöstlich des
Hochobirgipfels erbrachte eine reiche, bestimmbare Ammonitenfauna bestehend aus: Placites urlichsi, Megaphyllites jarbas, Joannites cymbiformis, Joannites klipsteini, Sirenites betulinus, Sirenites cf. senticosus, Trachyceras infundibiliforme, Trachyceras medusae, Trachyceras pontius, Proarcestes gaytani, Mojsvarites agenor, Lecanites sp., Hypocladiscites cf. subtornatus, Trematoceras cf. dubium, Holconautilus cf. ramsaueri, Syringoceras eugyrus, Syringoceras cf. zitteli, Syringonautilus cf. bullatus und Dictyoconites cf. haueri.

Das gehäufte Auftreten von Trachyceras medusae, Placites urlichsi und Sirenites betulinus sowie das Auftreten von Trachyceras infundibiliforme und Trachyceras pontius legen eine zeitliche Einstufung in die oberste aonoides-Zone im Grenzbereich zur austriacum-Zone nahe. Vergleichbare Faunen sind auch aus den oberen Cassianer Schichten, (Boa Staolin, Costalaresc, BIZZARINI, 2000), die ebenfalls in die oberste aonoides Zone eingestuft wurden, bekannt.

Eine korrekte Artbestimmung von Placites urlichsi (siehe BIZZARINI, 1987) erlaubt eine direkte Korrelation einiger Teile der oberen S. Cassian Formation zu einzelnen Schichtgliedern der Bleiberger Sonderfazies im hangendsten Wettersteinkalk. Leichte morphologische Unterschiede in juvenilen Stadien von Placites urlichsi erlauben zudem eine Unterscheidung in einen etwas älteren Subtyp 1 und einen jüngeren Subtyp 2. Weiterhin kann in Schichten,
in denen Austrotrachyceras sp. nicht gefunden wurde, der Beginn der austriacum-Zone mit Carnites floridus festgelegt werden. Ausschlaggebend hierfür war eine in den Hallstätter Kalken des Rappoltstein (Bayern) aufgefundene Ammoniten Fauna mit C. floridus, Austrotrachyceras sp. und Neoprotrachyceras thous. Placites urlichsi hingegen erlaubt eine zeitliche Einstufung in die obere aonoides-Zone auch in Schichten, in denen Trachyceras s. str. nicht gefunden wurde oder fehlt.

Geopark Karawanken
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